Sonntag, 22. Januar 2012

Krumping

Krumping (Kingdom Radically Uplifted Mighty Praise) ist ein in der afro-amerikanischen Gemeinde von South Central Los Angeles entstandener Tanzstil. Er umfasst neben Freestyle-Tanzbewegungen auch kunstvolle Gesichtsbemalungen und wird in Regel in einer Gruppe bzw. als Wettstreit (Battle) aufgeführt. Ein ähnlicher Tanzstil ist das „Clowning“, erfunden von Tommy the Clown, dem bekanntesten Clowning- und Krumpingtänzer der USA.



Krumping ist ein sehr schneller, expressiver Freestyle-Tanz, der sich im Wesentlichen aus „Stomps“ (Stampfen), „Chestpops“ (die Brust blitzartig hochschnellen lassen), und „Armswings“ (die Arme schwingen) zusammensetzt. Dazu kommen sogenannte „Groundmoves“, die auf dem Boden stattfinden, sich jedoch stark von Breakdance unterscheiden, und „Puzzles“, die an den Tanzstil Tutting erinnern. Die Krump-Tänzer erzählen mit ihren Bewegungen Geschichten, was auch als „Taunts“ bezeichnet wird.
Diese aggressive Art zu tanzen wird häufig als Abbau von Frust interpretiert, der durch als ungerecht empfundene soziale Missstände entsteht. Die Gründer des Krump selbst (Tight Eyez, Big Mijo, Lil C, u. a.) und der Großteil der Tänzer sehen im Krumping eine Street-Version des Gebets, deuten also ihren Tanz als Anbetung/Preis für Gott. Außerdem versuchen die Tänzer beim Krumping nicht, eine Show zu liefern, sondern tanzen sich viel mehr in einen emotional aufgeladenen Zustand, den sie als „buck“ oder „amped“ bezeichnen, und der in sehr seltenen Fällen einer Trance ähnelt.
Krumping wird meistens auf offener Straße, manchmal aber sogar in Kirchen getanzt und ist „interaktiv“, das Publikum wird in das Geschehen einbezogen und zum Mitmachen animiert. Es gibt auch Battles, also tänzerische Wettkämpfe zwischen verschiedenen Crews. Diese werden bei den Clowns als „Clown Groups“ bei den Krumpern als „Fams“ (Familien) bezeichnet.


Vom Clowning zum Krumping


Im Jahr 2002 hatten Ceasare' L. Willis, bekannt als Tight Eyez, und sein Kumpel Christopher Toler, in der Szene bekannt als Lil C, beides ehemalige Mitglieder der Clown-Dancing-Academy, genug davon, für andere den Entertainer zu spielen. Sie sehnten sich nach mehr und erfanden kurzerhand das Krumpen. Der Begriff „Krumping“ ist ein Kunstbegriff: „Wir brauchten ein Wort, das ausdrückt, was wir tun. Es bedeutet, dass man irgendwie durchgeknallt ist, aufgedreht und gleichzeitig voll Power.“
Wichtiges Element des Clowning war die Gesichtsbemalung der Tänzer, welche die Funktion einer Art „Maske“ erfüllte und sowohl den Gefühlen der Tänzer Ausdruck verlieh als auch die Distanz zwischen der Rolle des Tänzers und dem Menschen hinter der Maske darstellen sollte. Die Gesichtsbemalung hatte ihre Ursprünge im Clowning, wurde aber z.B. im Film „Rize“ von David LaChapelle mit afrikanischen Stammesriten in Verbindung gebracht. Krump-Tänzer wollen sich ausdrücklich von den Clowns abgrenzen. Viele wichtige Unterschiede zwischen den zwei Tanzstilen gibt es, die viele jedoch nicht erkennen. Das Clowning dient eher der Unterhaltung und besteht aus Tanzbewegungen (moves). Beim Krumping dagegen werden mit aggressiven Bewegungen Geschichten erzählt.
Clowning vs. Krumping
Mit der Abspaltung der Krumper von den Clowns entstand auch eine Art Rivalität zwischen den Tanzstilen. Während Tommy the Clown die Bewegungsabläufe beim Krumping für „unkontrollierte Zuckungen“ hält, sind die meisten Krumper der Meinung, Clowning wäre „langweiliges Entertainment“.
Um herauszufinden, welcher Tanzstil der bessere sei, wurden in Los Angeles regelmäßig sogenannte Battlezones veranstaltet, Tanzwettbewerbe, bei denen Krumper und Clowns in verschiedenen Kategorien gegeneinander antraten. Ab 2002 hat sich das Krumping immer mehr durchgesetzt, so dass Clowning inzwischen eine eher nebensächliche Rolle spielt. Stattdessen treten bei den Battles nun meist ausschließlich Krumper gegeneinander an.

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