Dienstag, 13. März 2012

Der Klang


Geige Martin Schleske Opus 165 aus dem Jahr 2012.


"All das erinnerte mich an manche Geigenbauwettbewerbe. In der Regel gibt es dort eine handwerkliche und eine klangliche Note. Die handwerkliche Note wird von einer Jury aus Geigenbauern, die klangliche Note von Musikern vergeben. Einen Preis für gutes Handwerk zu bekommen, aber kein Lob für guten Klang, würde deutlich machen: Man hat einer Jury Genüge getan, die ansieht, was sie vor Augen hat. Viel mehr Interesse muss der Musikerjury gelten, die das Wesen des Instrumentes achtet: seinen Klang. Die Geigen, die solchen Wettbewerben unterworfen wurden, sind in der Regel hoffnungslos perfekt. Doch gerade darum, weil an ihnen nichts falsch sein darf, haben sie oft einen so kümmerlichen und mutlosen Klang.
Das Wichtigste einer Geige ist ihre "Handschrift", da haben Klang und Formsprache eine Ausstrahlung, die einen berührt. Das Perfekte lässt einen kalt. Eine gute Geige hat ihren anmuten Ausdruck nicht durch ihre perfekte Gestalt. So hat auch ein Mensch seinen Ausdruck nicht dadurch, dass er keine Fehler macht, worum es ihm eigentlich geht. Warum fehlt uns dazu der Mut? Die Bibel gibt eine Antwort: Wir unterwerfen uns der falschen Jury! (1. Korintherbrief 7,32)."

Martin Schleske: der Klang, München 2010, S.110, S.111



um mehr zu erfahren:
www.schleske.de

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